Es war eine warme Nacht auf Coruscant. Der Computer, der das Wetter regulierte war schon wieder defekt. Es war viel zu warm für den Geschmack eines kleines Jungen, der im Jedi-Tempel lebte. Immer und immer wieder drehte er sich unruhig in seinem Bett, Schweißperlen glitzerten auf seiner Stirn. Doch es war nicht die erdrückende Hitze, die ihm die friedlose Rast bescherte, sondern sein Traum. Eigentlich fror Obi-Wan. Niemals in seinem bisherigen Leben hatte er sich so kalt gefühlt. Es war, als ob die Kälte langsam in seinen Körper kroch und all seine Wärme verschlang. Sein Traum war so real, Obi-Wan hatte sogar das Gefühl, dass er mitten in dem furchtbaren Szenario steckte, das sich vor seinen aufmerksamen Augen abspielte.
Da war ein älterer Mann in einer dunkelbraunen Robe und einer hellen Tunika,
der sich langsam umdrehte. Hinter ihm kniete ein junger Mann mit rabenschwarzen
Haaren, die im Stil eines Padawans geschnitten waren, mit einem Lichtschwert
in seiner rechten Hand. Bei genauerem Hinsehen hatte der ältere Mann auch ein
Lichtschwert, also waren die beiden Jedi! Der Meister war blass und erschöpft
und starrte müde auf sein Gegenüber. Neben dem knienden Padawan lag eine
regungslose Person, ein Mann. Der Mann war tot, getötet durch ein Laserschwert,
durch die Hände eines Jedi! Der Schüler blickte geschockt auf die Figur neben
ihm und nahm ihre bereits kühle Hand und presste sie an seine Wange. Ein
zischendes Geräusch ertönte in dem Raum und der Padawan heulte leise auf.
Als er die Hand losließ zeichnete eine Narbe in Form eines unvollständigen
Ringes seine Wange. Es war ein Brandzeichen, das der glühende Ring am Finger
des Toten, hinterließ. Der junge Mann stand mit schmerzverzerrten Gesicht auf.
Seine Augen waren voller Hass, voller Dunkelheit. Obi-Wan bibberte in seinem
Bett beim bloßen Anblick dieses Mannes.
"Du Narr! Du hast alles kaputtgemacht! Alles zerstört, wofür ich gearbeitet
habe! Aber du wirst mich nicht vernichten, weil ich dir zuvorkomme! Ich werde
dich töten!", spuckte der Padawan seinem Meister förmlich ins noble Gesicht. Der
Lehrer konnte es nicht fassen. Er war zu geschockt von dem Gefühlsausbruch
seines Schülers. Auf seinem Gesicht spiegelten sich viele Emotionen wieder.
Er war erstaunt, verärgert, verletzt, fühlte sich auch verleugnet und
betrogen. Der Meister schloss seine blauen Augen und sammelte die Macht
um sich zu konzentrieren und mit der bitteren Wahrheit fertig zu werden.
Sein Schüler zog sein Lichtschwert und wartete darauf, dass sein Lehrmeister
das selbe tat. Doch der ältere Jedi weigerte sich seine Waffe zu zücken, er
würde seinen Padawan, den er aufgezogen hatte, nicht bekämpfen. Obi-Wan
konnte sehen, dass der Mentor den jungen Mann vor ihm viel zu sehr liebte
und nicht gegen ihn kämpfen konnte, obwohl er Grund genug hatte ihn
anzugreifen. Doch er tat es nicht, wie ein Fels in der Brandung stand
der Jedi-Meister still da. Plötzlich attackierte ihn der junge Mann brutal,
er versuchte ihn mit seinem roten Lichtschwert zu enthaupten. Der Meister
duckte sich schnell. Seine blauen, geschockten Augen reflektierten, was
in ihm vorging und er begriff, dass sein Schüler es ernst meinte. Der
Padawan wollte ihn töten! Er wollte ihm nicht nur Angst einjagen, sondern
seinen Meister, der wie ein Vater für ihn gesorgt hatte, zerstören! Nun
zog auch er sein grünes Lichtschwert und verteidigte sich gegen die
gewaltsamen, harten Hiebe seines Schülers. Wie oft hatten Meister
und Schüler wohl so trainiert? Dann trat der gefallene Jedi seinen
Lehrer mit seinem Stiefel gegen den Kiefer. Der erschrockene Jedi fiel
zurück, aber war wieder schnell genug auf seinen Füßen um nicht durch
das feuerrote Lichtschwert geröstet zu werden. Der Jedi-Meister sprang
einen Salto über den Kopf seines ehemaligen Schülers, damit er die
Oberhand gewinnen würde, doch er scheiterte kläglich. Der junge Mann
kannte seinen Mentor wie seine Westentasche, also konnte ihn der ältere Jedi nicht mit seinen agilen Bewegungen überraschen. Der
langhaarige Mann verteidigte sich nur, versuchte niemals
anzugreifen, seinen Gegner durch schnelle und geschickte
Manöver zu ermüden. Der Lehrling hingegen kämpfte wie ein
Besessener. Er schlug, trat und verbrannte seinen Meister
wann und wo immer er konnte. Der kraftvolle Lehrer sah
grässlich zugerichtet aus. Er hatte ein Veilchen, eine
gebrochene Nase, ein blutige Lippe und einige angeknackste
Rippen. Auf seinen Armen waren zahlreiche Verbrennungen und
blutige Schrammen. Sein Gegner schien in einer besseren
Verfassung zu sein. Seine Kondition jedoch näherte sich dem
Ende, der Schüler atmete bereits schwer.
"Du hast meinen Vater auf dem Gewissen! Dafür wirst du bezahlen,
du wirst leiden!", sagte der junge Mann durch seine gefletschten
Zähne. Der Meister öffnete seinen Mund, wusste aber nicht genau,
was er sagen sollte. Er stotterte für eine Sekunde, fand aber
dann seine Sprache zurück. "Ich hatte keine andere Wahl! Er wollte mich umbringen und ich
musste mich verteidigen. Ich hatte niemals vor ihn zu töten,
Padawan! Hör auf zu kämpfen und leg deine Waffe nieder, bitte!
Es tut mir leid!"
"Nenn mich nicht Padawan! Nein, es wird dir noch leid tun! Wenn
ich mit dir fertig bin, wirst du dafür büßen ihn kaltblütig ermordet zu haben!"
Das Gefecht ging unaufhörlich weiter. Der Meister reduzierte
seine Bewegungen auf ein Minimum, denn nun war ihm alles egal.
Er kümmerte sich nicht darum, ob er diese Tortur überleben würde
oder nicht. Aber der Lehrling war auch nicht im Stande die Schlacht
für sich zu entscheiden. All die Tricks und die Techniken, die er
beherrschte, wurden von seinem Gegner geduldig geschliffen und
präzisiert. Doch der junge Mann war cleverer, als es Obi-Wan jemals
hätte ahnen können! "Du wirst da hier nicht überleben, MEISTER! Gib auf und ich werde
dich zu meinem Verbündeten machen! Zusammen könnten wir Telos beherrschen!"
"Hast du wirklich so wenig von mir gelernt? Warum tust du all dies?
Kannst du nicht die größeren Zusammenhänge erkennen.? Siehst du nicht,
dass dein Vater einen hohen Preis für sein Machtgier bezahlen musste?
Willst du in seine Fußstapfen treten?"
"Du Thor! Das war deine letzte Chance. Nun wirst du das selbe Schicksal
erleiden wie mein unnützer Vater!"
Der Mentor schüttelte voller Resignation sein Haupt. Aber er fand seinen
Lebenswillen wieder. Er konnte es nicht zulassen, dass sein Schüler
ihn so leicht tötete. Die rote und die grüne Klinge tanzten einen
tödlichen Tanz. Gewaltsame Hiebe antworteten auf kräftige Angriffe.
Nichtsdestotrotz weigerte sich der ältere Jedi seinen ehemaligen
Schüler zu verletzten . Der junge Mann hingegen nutze jede noch so
unfaire Chance, die er bekam. Er trat und schlug zu, wann immer sich
ihm eine Möglichkeit eröffnete. Er musste ihn ausmanövrieren und so
viel Schaden anrichte wie er nur konnte, wenn er diese Schlacht gewinnen
wollte. Angriff, Gegenangriff, Parade, Kinnhaken. Plötzlich verlor der
Mentor seine Balance und versuchte sich in einen anderen Raum
zurückzuziehen. Er rutschte aus und fiel auf den harten Boden.
Der junge Mann rannte mit einem dunklen Lächeln in seinem
Gesicht zu dem auf dem Boden liegenden Mann. Obwohl der Jedi,
der sich mit der dunklen Seite der Macht verbündet hatte, nicht
laut aussprach, was er dachte, wusste der ältere Jedi doch genau,
was er hören wollte. Der Meister sollte für seinen eigenen
Tod betteln! Triumphierend stellte der Lehrling einen seiner
Stiefel auf den Brustkorb seines ehemaligen Mentors und presste
ihn somit zu Boden. Jetzt konnte er nicht mehr entwischen.
"Zum letzten Mal! Komm mit mir oder stirb!"
"Ich werde nicht die Jedi betrügen, mein Freund! Nach all den
Jahren solltest du das wissen!"
Der Schüler wurde wütend. All seine Zufriedenheit erlosch von
seinem markanten Gesicht. Er hob sein Lichtschwert über seinen
Kopf und wollte den vor ihm liegenden Mann niederstrecken.
Obi-Wan zitterte und rief die Macht zur Hilfe. Das war
immerhin sein Traum und Träume konnte man kontrollieren.
Er schickte eine kraftvolle Machtwelle zu dem verletzten Meister.
Dann traf ein mächtiger Tritt die Leistengegend des Padawans.
Der Mentor schien von seiner eigenen Kraft überrascht zu sein
und kämpfte mit sich selber ruhig zu bleiben. Er rief sein
grünes Lichtschwert zur Hand und eilte zu der erstaunten
Figur in die Mitte des Raumes. Dieses Mal focht der Meister
mit neuer Entschlossenheit und schien in der Lage zu sein
das Böse in seinem Schüler zu erkennen. Er schlug dem
jungen Mann ins Gesicht und entwaffnete ihn mit einer
schnellen Bewegung seines Lichtschwertes. Jetzt stand er
über seinem Lehrling und erhob sein Schwert. Der Mann hob
eine seiner Augenbrauen.
"Mach schon! Streck mich nieder wie du es mit meinem Vater
getan hast! Worauf wartest du denn noch?" Der Meister zögerte
einen Moment und nahm seine Waffe herunter.
"Ich werde dir nicht die Befriedigung geben dich zu töten!". Dann
drehte er sich um und schritt aus dem Raum.
"Du bist ein Feigling! Ich wusste, dass du mich nicht
umbringen könntest. Mich, deinen geliebten Schüler!"
Obi-Wans Sicht wurde unscharf und alles wurde neblig. Dann, endlich, Macht sei Dank, wachte er auf. Langsam öffnete er seine Augen. Er fühlte sich, als ob er nicht eine Sekunde in dieser Nacht geschlafen hätte. Aber er musste aufstehen. Der Unterricht würde bald beginnen.
Ende