1
Es ... ist kalt." Anakin fröstelte. Hilfesuchend schaute er zu seinem ebenfalls noch jungen Meister auf. Obi-Wan sah den Jungen an und reichte ihm eine Decke. "Wir sind bald auf Terelle", sagte er tröstend. Anakin hüllte sich in die Decke ein. "Aber Terelle ist auch so kalt", meinte er und schaute mit großen Augen zu Obi-Wan auf. "Meister Adi Gallia hat mir erzählt, es regnet dort immerzu. Sie hat soo viele Informationen in ihrem Datapad." Er schüttelte den Kopf. Obi-Wan lächelte. "Sie weiß bestimmt auch, was Padmé gerade macht." Obi-Wans Lächeln verschwand. Die Erinnerung an die jetzt gerade mal 15-jährige Königin und frühere Freundin hatte den Jungen wieder erreicht. "Es geht ihr bestimmt gut", sagte Obi-Wan sanft. "Sie ist eine Königin von einem friedlichen Volk. Sie geht ihren eigenen Weg. Die Macht wird auch dich auf deinen Weg führen." Ist dies mein Weg? fragte sich Obi-Wan. Kaum ein Jedi-Ritter, schon diesen Jungen als Schüler zu haben? Was, wenn ich versage? Obi-Wan spürte die Verantwortung schwer auf seinen Schultern. Anakin war kein schwieriger Junge. Er war begabt und klug, ja, etwas altklug. Aber er hatte so viele Verluste zu beklagen gehabt. Obi-Wan hatte sich mit seinem schwersten Verlust, seinem Meister Qui-Gon, abgefunden. Dennoch fühlte er sich von Zeit zu Zeit etwas verloren. Er hatte selbst noch so viel zu lernen.
Obi-Wan hörte Anakin neben sich regelmäßig atmen. Er war in
seinem Sitz eingeschlafen. Im Schlaf sah er viel jünger aus, als er eigentlich
war und sich benahm. Obi-Wan deckte ihn zu und erhob sich von seinem Sitz.
Sie befanden sich auf einem Schiff, dass sie nach Terelle,
einem verschlafenen kleinen OuterRim-Planeten bringen sollte. Der Jedi-Rat
hatte ihnen eine relativ einfache Mission zugeteilt: Terelle gehörte zur
Republik, und als armer, hilfsbedürftiger Planet, der gerade einen furchtbaren
Krieg erlebt hatte, erhielt er regelmäßig Lieferungen der Republik mit
Nahrungsmitteln und verschiedenen lebenswichtigen Utensilien an Bord. In
letzter Zeit waren die Lieferungen allerdings spurlos verschwunden gegangen, so
dass der Senat einen Jedi ausgeschickt hatte, um den nächsten Konvoi zu
begleiten und zu überwachen. Obi-Wan und Anakin sollten auf Terelle nochmals
darauf achten, ob der Konvoi ordnungsgemäß angekommen war und überwachen, was
die Terelle mit der Ladung anstellten. Obi-Wan erwartete keine großen
Schwierigkeiten. Er wanderte ein wenig durch den kleinen Aufenthaltsraum des
Schiffes und ließ sich schließlich wieder in seinem Sitz nieder. Mit
geschlossenen Augen begann er zu meditieren.
"Meister? Meister!!" Anakin rüttelte Obi-Wan. Überrascht
schreckte dieser auf. Er hatte sich von der Meditation in Schlaf übergehen
lassen. "Was ist?" fragte er und strich sich durch die Haare. Er war noch nicht
vollends wach und fühlte sich steif. Schnell machte er eine Jedi-Übung um den
Schlaf aus seinen Muskeln und aus seinem Kopf zu vertreiben.
"Der Pilot sagte eben, wir sind angekommen", sagte Anakin
und schaute erwartungsvoll zu Obi-Wan auf.
Obi-Wan stand auf und ging in das winzige Cockpit des
Schiffes. Der Pilot, ein Sullustaner, drehte sich um als er sein Eintreten
bemerkte. "Wir sind da, Jedi", sagte er. "Es war mir eine Ehre euch zu
begleiten". Obi-Wan nickte ihm zu und beobachtete durch die Glassitscheibe des
Cockpits das Treiben auf dem Planeten. "Anakin!" rief er, ohne sich
umzuschauen. "Ja, Meister?" kam es von hinten. Der Junge streckte einen Kopf
durch den Türrahmen. "Wir brechen auf. Mach dich bereit."
2
Die beiden Jedi standen am Rande des kleinen, provisorischen Raumhafens und blickten sich um. Terelle bot ein trostloses Bild. Der Wind fegte einzelne Blätter über die Straßen, die in kleinen Strudeln herumwirbelten, an den Rändern der Straße saßen Gestalten, kaum mehr als Schatten, die sich nicht rührten. Die Häuser waren baufällig und heruntergekommen; oft mit primitiven Mitteln gebaut, teils vom Krieg zerstört. Anakin erinnerte alles ein wenig an Tatooine, obwohl der Planet auf den ersten Blick das Gegenteil zu sein schien. Es gab so gut wie keine Wüsten auf Terelle, das meiste bestand aus Wäldern, Mooren und sumpfigen Ebenen. Es war kalt, der Himmel bewölkt und neblig. Obi-Wan schob Anakin vorwärts. Sie waren auf dem Weg zum Verwaltungszentrum des Planeten, um auf den Versorgungstransport zu warten, der am nächsten Tag eintreffen sollte. Die Hauptstadt Caya, in der sie sich im Moment befanden, war mit 100.000 Einwohnern die größte Stadt des Planeten, für Obi-Wans Begriffe jedoch sehr klein. Der Hauptteil der ohnehin geringen Bevölkerung lebte in winzigen Dörfern verstreut über den ganzen Planeten. Wie Obi-Wan erfahren hatte, hingen die Leute hier einem seltsamen Naturglauben an, der sie ihre Häuser hauptsächlich aus Naturmaterialien bauen ließ. Die Personen, denen die beiden Jedi begegneten, waren einfach bekleidet, mit Leder, Fell und grobem Stoff. Als sie das Regierungsgebäude betraten, sah es nicht anders aus. Etwas düster, rückständig, einfach. Neben der Tür saß eine Art Pförtner. Obi-Wan stellte sich und Anakin als Jedi vor, und bat um eine Audienz beim König von Terelle. Der Planet war nicht nur im Hinblick auf Technik rückständig, auch die Regierungsform war eine angestaubte Erbmonarchie. Der Pförtner brauchte eine Ewigkeit, um zu verstehen, was Obi-Wan von ihm wollte, obwohl man Obi-Wan versichert hatte, dass die Bevölkerung Basic sprach. "Meister?" flüsterte Anakin und stieß Obi-Wan mit dem Ellbogen an. Er blickte kurz auf den Pförtner, der ein Gespräch mit einem seltsamen Automaten führte, der anscheinend ein Art Visiphon darstellte, und wandte sich zu Obi-Wan, der sich zu ihm heruntergebeugt hatte. "Was tun wir, wenn wir nicht vorgelassen werden?" "Er wird uns vorlassen", antwortete Obi-Wan überzeugt. "Er muss. Schließlich braucht er den Konvoi." "Warum hat dieser König keinen Palast?" fragte Anakin verständnislos, "Wenn ich mir vorstelle, Padmé würde von so einem Loch aus regieren ..." "Terelle ist arm", sagte Obi-Wan ernst. "Der König kann es sich nicht erlauben, Ressourcen zu verschwenden. Außerdem kennt man hier keine Paläste. Die Menschen hier sind sehr gläubig, und ihr Glauben verbietet Prunkbauten. Wenn der König so etwas bauen ließe, würde die Bevölkerung revoltieren und er wäre die längste Zeit König gewesen." Anakin zog die Stirn kraus. "Die Menschen hier fühlen sich so merkwürdig an", sagte er. Obi-Wan nickte. "Durch die Macht kannst du fühlen, wie stark ihr Glaube ist. Sie sind wie ein Kollektiv." Anakin schüttelte den Kopf. "Das auch, aber es ist schwer, Kontakt zu ihnen zu bekommen. Sie sind so abgeschottet." Er öffnete die Augen. "Und es ist dunkel in der Macht." "Kannst du das genauer beschreiben?" fragte Obi-Wan. "Na ja ... normalerweise fühle ich die Macht um mich herum hell wie eine Sonne. Aber hier ist sie verschleiert, dunkel, wie in der Abenddämmerung, wie im Nebel." Obi-Wan nickte gedankenvoll. "Das stimmt." Er klopfte Anakin auf die Schulter. "Du hast bereits einen beachtlichen Zugang zur Macht." In dem Moment meldete sich der Pförtner wieder. In plötzlich perfektem Basic wies er den beiden eine Art Hotel an, und meinte, der König würde sie um 5 Uhr Standardzeit empfangen.
3
Das Hotel war klein, aber
annehmbar, wie Obi-Wan fand. Es war etwas altmodischer als das, was er gewohnt
war, aber immerhin gab es eine moderne Erfrischungseinheit. Obi-Wan teilte sich
das Zimmer mit Anakin, sie schliefen in einem hölzernen Etagenbett, das man auf
Coruscant zu einem guten Preis an ein Museum hätte verkaufen können.
Um 5 Uhr wurden sie beim König vorgelassen. Obi-Wan und
Anakin betraten einen Raum, der eine Mischung aus Thronsaal und Büro zu sein
schien. Sie verbeugten sich höflich vor dem König, der ihnen huldvoll zunickte.
Obi-Wan studierte die hochgewachsene, hagere Person vor ihm. Er schätzte den
König auf etwa 46 Jahre, viele Falten hatten sich um seine Augen eingegraben.
Er hatte vom König eines mittelalterlichen Planeten nicht viel erwartet, und
wurde angenehm überrascht, als der König das Gespräch eröffnete.
"Ich bin froh, Sie hier begrüßen zu dürfen, Jedi", sagte der
König. "Unser Planet benötigt die Lieferungen dringend." Obi-Wan nickte ihm zu.
"Wir sind froh, dass wir helfen können." Der König seufzte und erhob sich,
wobei er sich mit einer Hand auf dem Schreibtisch abstützte. Er ging zum
Fenster und blickte hinaus auf die heruntergekommenen Straßen. "Ihnen muss das
hier vorkommen, wie ein Zeitsprung. Ich versuche, Terelle zu modernisieren, der
Beitritt zur Republik sollte unseren Planeten in die galaktische Gesellschaft
integrieren." Anakin sah ihn mit schiefgelegtem Kopf an. Dieser Mann hatte
einen Traum. Doch der schien unmöglich zu realisieren. "Aber dann gab es diesen
Krieg", sagte Obi-Wan. "Zwischen den Einwohnern des Nordkontinents und denen
des Südkontinents. Unmöglich zu verstehen, wie ein Volk desselben Planeten
gegeneinander kämpfen kann." Der König seufzte abermals. "Er hat 9 Jahre
gedauert. Das Ende des Krieges liegt nun 3 Jahre zurück, und die Bevölkerung
ist immernoch traumatisiert. Sie klammern sich an ihren Glauben. Viele sind so
abergläubisch und verschroben geworden, dass man kein vernünftiges Wort mehr
mit ihnen reden kann. Ich bin der König dieses Planeten (und zwar des ganzen)
auf dem Papier, aber in Wirklichkeit macht jeder, was er will. Ich habe
praktisch keine Gewalt, ja, noch nicht einmal Kontakt zum Südkontinent." "Wie
können Sie den Südkontinent regieren, wenn Sie noch nicht mal Kontakt zu ihm
haben?" fragte Anakin und zog die Stirn kraus. Der König war ein wenig
überrascht, doch Obi-Wan lächelte nur. Anakin stellte immer viele Fragen. "Wie
ich sagte: Ich regiere ihn nicht. Ich weiß nicht, was dort vorgeht, wir haben
keine modernen Kommunikationseinrichtungen. Die Republik hat versprochen, mit
der nächsten Lieferung Geräte zu schicken." Eine komische kleine Kreatur betrat
den Raum und flüsterte dem König etwas zu. Der winkte ungeduldig und schickte
das kleine Etwas aus dem Zimmer. "Es tut mir leid", sagte er bedauernd, "ich
muss mich um mein Geschäft kümmern. Ich wäre erfreut, Sie erneut sprechen zu
können." Obi-Wan neigte den Kopf. "Selbstverständlich. Wir werden tun, was wir
können, um Ihnen zu helfen." "Ich bin Ihnen und Ihrer Republik zu Dank
verpflichtet", sagte der König. Die beiden Jedi verbeugten sich und wurden mit
einem erneuten huldvollen Nicken entlassen.
Anakin schaute zu Obi-Wan hoch, als sie durch die Gänge des
Regierungsgebäudes gingen. Er schien ganz in Gedanken zu sein. "Der König war
traurig", sagte Anakin. "Sein Volk hat einen furchtbaren Krieg gesehen",
erwiderte Obi-Wan. "Schau nur nach draußen, dann siehst du, warum er traurig
ist."
Sie verließen das Gebäude. Obi-Wan atmete erleichtert die
frische Luft, die dennoch nicht wirklich frisch zu sein schien. Auf ihrem Weg
zum Hotel kamen sie an einer Baustelle vorbei, und plötzlich streifte Obi-Wan
eine strahlende Präsenz in der Macht, schwach zwar, aber nichtsdestotrotz
vorhanden. Er war so überrascht, dass er zusammenzuckte. Anakin dagegen schien
es nicht so stark gespürt zu haben. "Was ist das, Meister?" fragte er. "Ich
habe eine Präsenz gespürt. Wie ein Windhauch, der mich berührt hat." Obi-Wan
war überrascht. Ihn war die Präsenz wie eine starke Windboe erschienen.
"Zweifellos gibt es hier machtbegabte Menschen", murmelte er. Er streckte seine
Fühler in die Macht aus, doch die Präsenz war verschwunden. Er musterte die
Baustelle neugierig, zog Anakin jedoch weiter.
4
Unterwegs kamen sie in einen Regenguss, und als ihnen die
Wirtin ihres Hotels die Tür öffnete, waren sie völlig durchnässt. "Newa meint es nicht gut mit Ihnen",
meinte die alte Frau mitfühlend. Sie schloss die Tür hinter den beiden und
führte sie weiter in die Stube des kleinen Wirtshauses hinein. "Jetzt brauchen
Sie erst mal einen heißen Kakao", sagte die Wirtin fröhlich und strich Anakin über die nassen Haare. "Wer ist Newa?"
flüsterte Anakin Obi-Wan zu, als die Wirtin sich ans Kakaokochen machte. "Ich
vermute, einer dieser Naturgeister", flüsterte Obi-Wan zurück.
Da kam die Wirtin auch schon wieder. "Ich heiße Kaija",
sagte sie und lächelte die beiden an. "Aber du zitterst ja!" meinte sie
entrüstet und legte Anakin liebevoll eine Decke über die Schultern. "Kleine
Jungen erkälten sich leicht." Anakin grinste sie an. Obi-Wan versuchte, ein
Schmunzeln zu verbergen. "Wir danken Ihnen für Ihre Fürsorglichkeit", sagte er.
"Ich bin Obi-Wan Kenobi und das ist Anakin Skywalker. "Ach, das ist doch
selbstverständlich Mr. Kenobi", meinte Kaija und lächelte breit. "Seit mein
Sohn nicht mehr da ist, und das Hotel kaum noch Kundschaft hat, habe ich doch
gar nichts mehr zu tun. Ist Anakin Ihr Sohn?" "Nein", Obi-Wan lächelte Anakin
zu, "er ist mein Schüler."
"Interessant", sagte Kaija, teilte Kakaotassen aus und
setzte sich zu den beiden dazu. "Was bringen Sie ihm denn bei?" "Wir sind
Jedi", antwortete Obi-Wan. "Jedi? Diese ... Ritter der Galaxis? Eine Art
Schutzpolizei?" Anakin grinste. "So ähnlich", sagte er. Kaija seufzte. "Wir
bekommen hier draußen nicht viel von der Welt da draußen mit. Aber die Geister
schützen uns." Sie breitete die Hände aus. "Sie sind überall um uns herum. Die
Geister der Erde, des Himmels, des Waldes. Wir versuchen ihnen so verbunden wie
möglich zu sein, indem wir unsere Häuser aus ihren Materialien bauen."
Obi-Wan beobachtete die alte Frau aufmerksam. Sie sah
seltsam verzückt aus. Anakin sah erst Obi-Wan, dann Kaija an. Er wollte etwas
sagen, doch Obi-Wan bedeutete ihm zu Schweigen. "Warum ist der Krieg
ausgebrochen?" fragte er unvermittelt. Kaija schien aufzuwachen. Ein Schatten
legte sich über ihr Gesicht. "Hinter den Bergen im Süden lebt ein unheimliches
Volk. Niemand weiß Genaues über sie. Sie kamen herüber und säten Tod und
Terror. Yero hat es vorausgesehen.
Doch nun liegt er im Sterben." Sie schaute Obi-Wan an. "Und nun besitzen wir
kaum noch etwas. So viele sind gestorben. Auch mein Sohn." "Das tut mir leid",
sagte Obi-Wan. Kaija winkte ab. "Die revaabietet mir Trost." "Die revaa?" Anakin
sah Obi-Wan fragend an. Kaija reagierte nicht.
Obi-Wan beugte sich herüber. "Mit revaa meint sie die Gesamtheit der Naturgeister", flüsterte er.
Anakin nickte verstehend. "Es ist spät", sagte Kaija abrupt. "Gehen Sie hoch
und schlafen sie ein Weilchen. Sie werden Schlaf bestimmt brauchen können."
Die beiden Jedi verbeugten sich und stiegen die steile
Treppe hinauf. Sie waren ein wenig verwundert über den überwältigenden Empfang
und die plötzliche Entlassung, doch sie erklärten es mit der Mentalität der
alten Frau, die Beschäftigung suchte und vom Krieg noch ein bisschen
mitgenommen war. Anakin war trotz der Ereignisse des Tages und der fremden
Umgebung schnell eingeschlafen. Obi-Wan in dem Bett unter ihm hatte es
schwerer. Er versuchte sich deutlicher an die Präsenz zu erinnern, die er
gespürt hatte, doch es gelang ihm nicht. Das Geräusch trommelnder Regentropfen
an der Fensterscheibe schläferte ihn schließlich ein.
5
Abrupt erwachte Obi-Wan. Da
war irgendetwas. Er hörte Anakin über sich regelmäßig atmen, doch irgendetwas
hatte ihn berührt. Da war es wieder! Die
Präsenz. Er zog sich hastig an, warf seinen Mantel über die Schultern und
verließ das Hotel. Draußen war es kalt. Der Regen hatte aufgehört und Terelles
zwei Monde schimmerten undeutlich durch die Wolken. Die Stimmung war
geheimnisvoll.
Obi-Wan spürte die helle
Präsenz jetzt ganz deutlich und folgte ihr. Er ging bis zu einer großen Wiese
am Stadtrand. Die Monde schienen jetzt deutlich, und in ihrem Licht konnte
Obi-Wan eine Gestalt ausmachen, die auf einem Stein saß und die Monde
anschaute. Vorsichtig näherte er sich ihr. Als er bis auf drei Schritte
herangekommen war, warnten ihn seine Jedi-Sinne, denn die Person sprang
blitzschnell auf. Obi-Wan konnte ihren Bewegungen nicht ganz folgen, er zog in
einem Sekundenbruchteil sein Lichtschwert, aktivierte es jedoch nicht. Die
Person stand dicht vor ihm, mit einem Messer in der Hand. Es war eine Frau mit
langem, blauschwarzem Haar. Plötzlich berührte ihre Präsenz Obi-Wan ganz
deutlich. Die Frau riss erschreckt die Augen auf und ging langsam rückwärts.
Sie sah panisch aus. "Warten Sie!" rief Obi-Wan, "ich bin ein Freund!" Ziemlich platt! Schalt er sich, doch es
fiel ihm nichts besseres ein. Die Frau blieb stehen. "Wer ... wer sind Sie?" Er
befestigte sein Lichtschwert wieder am Gürtel. "Wollen Sie nicht erst mal das
Messer wegstecken?" fragte er. "Nein." Die Frau schüttelte energisch den Kopf.
Sie beäugte ihn misstrauisch, ließ das Messer jedoch leicht sinken. "Warum
haben Sie mich so erschreckt? Warum dringen Sie in meinen Kopf ein?" Obi-Wan
schüttelte den Kopf. "Ich dringe nicht in Ihren Kopf ein. Sie spüren meine
Präsenz und ich Ihre. Sie haben nicht gelernt, sich richtig abzuschirmen." "Abzuschirmen gegen was?" "Gegen die vielen Impulse, die sie spüren, von allen
lebenden Dingen. Besonders aber von anderen machtempfindlichen Menschen."
"Machtempfindlich?" Sie trat einen Schritt näher zu Obi-Wan. Ein merkwürdiges
Gefühl machte sich in ihm breit. Wie ein Zauber ... Er schüttelte den Gedanken
ab. "Haben Sie je von der Macht gehört?" Die Frau schien die Angst verloren zu
haben. "Yero hat manchmal von einer
Macht gesprochen; aber er redet viel Unsinn. Er ist krank." "So?" Obi-Wans
Interesse war geweckt. "Wer ist dieser Yero?"
Sie beäugte ihn misstrauisch. Dann schien sie jedoch plötzlich entschieden zu
haben, dass sie Obi-Wan trauen konnte. "Ich bin Ashina Mevo", sagte die Frau
plötzlich unvermittelt und streckte Obi-Wan die Hand hin. "Obi-Wan Kenobi",
sagte er ein bisschen überrascht. "Was tun Sie hier?" fragte Ashina. "Sie
gehören nicht hierher." Obi-Wan nickte. "Verraten Sie mir, wer Sie sind", sagte
er. Die Frau sah ihn etwas unwillig und überrascht an und bedeutete ihm dann,
ihr zu folgen. Sie hatte Vertrauen zu ihm, und ihr war, als hätte sie ihn schon
lange gekannt. Er war ein Fremder, doch sie war nicht mehr misstrauisch. Im
Notfall war sie eine ausgezeichnete Kämpferin, und darauf verließ sie sich.
Außerdem wollte sie diese rätselhafte Person näher kennenlernen.
Als sie über die Wiesen
stolperten, musterte Obi-Wan sie von hinten ausgiebig. Sie war fast so groß wie
er, hatte langes schwarzes Haar, das ihr lang über den Rücken fiel, und war
sehr schlank, fast dürr. Er spürte ihre Präsenz undeutlich in der Macht. Sie
musste machtbegabt zu sein. Schließlich waren sie auf der Straße angekommen.
Ashina drehte sich halb zu Obi-Wan um und zog ihn zu sich heran. Sie standen
vor der Baustelle, an der Anakin und Obi-Wan am Tag voher vorbeigekommen waren.
Ashina deutete auf das Chaos. "Dort arbeite ich. Wir versuchen, die Häuser
wieder aufzubauen, doch das dauert lange. Ich bin so etwas wie Architektin."
Ihr Gesicht nahm einen besorgten Ausdruck an. "Hoffentlich kommt der Konvoi
bald an. Wir brauchen die Baustoffe und Lebensmittel." "Deshalb bin ich hier", sagte Obi-Wan. "Mein Schüler
und ich sollen die Ankunft des Konvois überwachen. Er wird ankommen." "Dann
sind Sie die Jedi!" rief Ashina halblaut. Sie sah Obi-Wan mit veränderten Augen
voll undeutlicher Bewunderung an. "Ich hoffe, Sie haben Erfolg." Obi-Wan sah
sie nur an. Ashina wurde unbehaglich unter dem Schweigen. Obi-Wans Anwesenheit
verwirrte sie. "Sind Sie je auf Midichlorianwerte getestet worden?" fragte
Obi-Wan. Zu seiner Überraschung wusste Ashina sofort, worum es ging. "Nein",
antwortete sie, "wir sind hier zu weit ab von der Republik. Hier hat keiner die
Möglichkeiten zu so etwas. Nur ..." Ihre Stimme stockte. "Yero hat einmal gesagt, ich könnte seine Schülerin werden. Aber ich
wollte nicht, und er war schon zu schwach um mich zu zwingen." "Wer ist Yero?" fragte Obi-Wan eindringlich.
Ashina schaute zu Boden. "Er ist ein alter Verrückter. Früher hat er viel
seltsame Dinge getan. Doch nun liegt er im Sterben. Seine Kräfte sind
geschwunden ... ich glaube, er war so etwas wie ein Jedi." Das traf Obi-Wan unerwartet.
Er wunderte sich immer mehr über diese Frau. "Woher wissen Sie das alles?"
fragte er. Ashina lächelte. "Die Jedi haben mich schon immer fasziniert. Mit
den Konvois kamen auch Informationen. Ich habe alles in mich aufgesogen, was
ich gefunden habe."
Sie redeten noch eine
Weile, doch nichts Bedeutendes mehr. Als Obi-Wan schließlich ins Hotel
zurückkehrte, fühlte er sich merkwürdig. Seine Gedanken kreisten um diese junge
Frau, und die eigenartige Verbindung zwischen ihnen. Ihm war, als hätte in dieser
Nacht jemand die Gedanken aus seinem Kopf herausgerissen, einmal kräftig
durcheinander gewirbelt und wieder hineingestopft. Er fühlte sich so
durcheinander. Mit Hilfe der Macht sah er klarer, doch das Gefühl verschwand
nicht. Als er in ihrem Zimmer ankam, schlief Anakin immernoch tief und fest.
Leise ging Obi-Wan wieder zu Bett. Seine Gedanken blieben bei Ashina.
6
Als Obi-Wan und Anakin am
nächsten Morgen aus dem Haus traten, wurden sie von Ashina erwartet. Obi-Wan
war ein bisschen verwundert, sie zu sehen, doch es störte ihn keineswegs. "Hallo Ashina", lächelte
Obi-Wan. "Obi-Wan", sagte Ashina
freundlich. Die beiden tauschten begrüßende Blicke aus. Anakin schaute fragend
von einem zum anderen. "Anakin", sagte Obi-Wan, "das ist Ashina Mevo. Ich habe
sie gestern Nacht ... kennengelernt." Anakin bemühte sich, ein Grinsen zu
verbergen, doch es gelang ihm nicht ganz. Er erinnerte sich, dass sein Meister
erst 27 war, und musste noch mehr grinsen. Freundlich reichte er Ashina die
Hand. "Ich bin Anakin Skywalker", stellte er sich vor, nicht ohne Ashina
aufmerksam zu mustern. "Anakin ist mein Padawan", sagte Obi-Wan erklärend und
legte ihm eine Hand auf die Schulter. Anakin sah sie an. "Sie sind stark in der
Macht, nicht wahr?" fragte er neugierig. "Sie waren das, was Obi-Wan gestern so
erschreckt hat." Ashina blickte verwundert. Obi-Wan lächelte ein wenig
verlegen, doch Ashina ging nicht näher darauf ein. "Ich werde Sie zu Yero bringen", bot Ashina unvermittelt
an. "Ich glaube, Sie sollten ihn kennenlernen."
Das Wetter auf Terelle war
unbeständig, wie immer. Als die drei sich am Morgen getroffen hatten, hatte
sogar ein wenig die Sonne geschienen, doch nun war sie wieder verschwunden. Es
regnete nicht, doch die Luft war feucht und drückend. Ashina hatte sie in einer
Art Postwagen untergebracht, der in das Bergdorf, in dem Yero wohnte, fuhr.
Anakin kam sich vor, wie tausende von Jahren in die Vergangenheit versetzt. Der
größtenteils hölzerne Wagen wurde von pferdeähnlichen Tieren gezogen, und
ratterte so über die unebenen Straßen, dass Anakin meinte, nach dieser Fahrt
wochenlang nicht mehr sitzen zu können. Obi-Wan schien das alles nichts
auszumachen. Er saß zwischen Ashina und Anakin und versuchte, sich über die
lauten Fahrgeräusche hinweg mit Ashina zu unterhalten. Anakin bekam nur
Bruchstücke ihrer Unterhaltung mit. "... Sie müssen Ihre Gedanken zum Schweigen
bringen", sagte Obi-Wan gerade. Ashina schloss die Augen. "Ja ... ich kann Sie
fühlen. Und Anakin. Und ... den Fahrer ..." Trotz ihrer vor Konzentration zerfurchter
Stirn gelang ihr ein Lächeln. "Es fühlt sich alles so ... lebendig an." Sie öffnete die Augen mit neu erwachter Faszination.
Obi-Wan lächelte sie an. Für einen Moment, der Obi-Wan unendlich lang erschien,
begegneten sich ihre Augen. "Sie sind ziemlich gut für den Anfang", sagte er.
"Obwohl so eine unruhige Fahrt nicht eben der beste Ort ist, um sich zu
konzentrieren." Ashina lachte. "Ja." Sie senkte den Kopf. "Können Sie mir auch
zeigen, wie ich diesen Sinn ... abschalten
kann?" Obi-Wan nickte nachdenklich. "Ja, das könnte ich, aber ... vielleicht
sollten Sie mit zum Jedi-Tempel kommen? Dort kann man ihnen noch viel mehr
beibringen." Ashina sah ihn zweifelnd an. "Ich? Von Terelle weg?" Sie
schüttelte den Kopf und lachte. "Das geht nicht." Obi-Wan beschloss, das Thema
erst einmal ruhen zu lassen.
7
Sie erreichten schließlich
nach nur einer Stunde Fahrt das Bergdorf Iswah,
in dem sie laut Ashina Yero
finden sollten. Sie führte die beiden Jedi bis zu einem merkwürdigen kleinen
Haus, das sehr schmal und hoch gebaut war. Ashina klopfte an die Tür. Eine Frau
mittleren Alters öffnete. Anakin und Obi-Wan spürten schwache Wellen der Macht,
die von dem Haus ausgingen. Obi-Wan war leicht beunruhigt, und betrat das Haus
sehr wachsam. Anakin war ebenfalls misstrauisch.
Ashina schien die Frau, die
das Haus bewohnte, sehr gut zu kennen, und unterhielt sich lachend mit ihr. Die
beiden Jedi standen etwas deplaziert daneben.
"Die beiden wollen Yero besuchen", sagte Ashina zu der
Frau. "Wie geht es ihm?" Die Frau seufzte und schaute Anakin und Obi-Wan ein
wenig misstrauisch an. "Er liegt im Sterben. Keiner weiß, warum. Wahrscheinlich
ist er einfach alt. Er redet nur undeutliches Zeug, ich weiß nicht, warum Sie
ihn besuchen wollen?" Obi-Wan schob die Ärmel seines Mantels ineinander. "Wir
würden ihn nur gerne kennenlernen", sagte er höflich. Die Frau schaute ihn
abschätzend an. "Da gibt es nicht viel zu kennen. Aber bitte, folgen Sie mir."
Sie folgten der Frau eine steile, enge Treppe hinauf in den zweiten Stock. Die Frau
öffnete eine Tür. "Bitte sehr."
Obi-Wan und Anakin betraten
den Raum und spürten als erstes eine gewaltige Welle dunkler Macht. Anakin
keuchte und stützte sich gegen die Wand. Obi-Wan war ebenfalls geschockt, doch
mehr besorgt um seinen Padawan, da er wusste, wie empfänglich dieser für die
Macht war. Auf einem Bett an der gegenüberliegenden Wand lag ein Mann. Ein sehr
alter Mann, ausgezehrt und kaum noch ein Schatten seiner selbst. Ashina folgte
den beiden Jedi in den Raum und bedeutete der Frau, sie allein zu lassen. Als Yero die Anwesenheit der drei bemerkte,
drehte er sich zu ihnen und öffnete die Augen. Anakin umfasste eine eisige
Klammer. Er bekam plötzlich Panik. Die Augen Yeros glänzten fiebrig – er sah aus wie ein Wahnsinniger. Obi-Wan
sah höchst beunruhigt zu seinem Padawan hinüber. Ashina verstand nicht, was
vorging. Yero sprach kein Wort,
Obi-Wan brachte keines heraus. Nur Anakin hatte Kontakt zu Yero, und fand sich plötzlich in einer anderen Welt wieder. Er
stand auf einer dunklen Felslandschaft – vor ihm tauchte aus Nebel ein dunkler
Mann auf. Anakin fürchtete sich und wollte fliehen, doch er konnte sich nicht
bewegen. Der Mann vor ihm blieb stehen. Er trug einen dunklen Mantel und Anakin
konnte sein Gesicht nicht sehen. Mit Erstaunen bemerkte er, dass er selbst ein
Lichtschwert trug. Der Mann begann zu sprechen: "Da bist du also, Anakin
Skywalker. Der Junge, der seine Mutter zurückließ, der er das ein und alles
war. Anakin, warum so ängstlich? Hat man dir bei den Jedi nicht beigebracht, deine
Furcht zu beherrschen?" Anakin sah Bilder von Situationen aus seiner
Erinnerung, Situationen, in denen er Obi-Wan nicht gehorcht hatte, in denen er
seinen eigenen Wünschen nachgegangen war. Ich
habe alle enttäuscht, flüsterte es in seinem Kopf.. Die Stimmen wurden
immer lauter, bis er selbst zu glauben begann, was sie sagten. Er hörte ein
schreckliches, alles übertönendes Lachen. Er spürte das Lichtschwert an seinem
Gürtel. Vorsichtig nahm er es in die Hand. Plötzlich sah er ein Bild in seinem
Geist. Padmé hing schwer verletzt in einem Baum in einem Wald.
Anakin, warum hast du mir nicht geholfen?
Er hörte einen qualvollen Aufschrei, und merkte, dass es Padmés Stimme war. Das
Lachen ertönte wieder. Der dunkle Mann sah zu ihm herunter und grinste. "Ich
habe Padmé getötet. Und du hast ihr
nicht geholfen. DU! DU nur DU hättest
ihr helfen können!" Das Gesicht erschien vor Anakins Augen wie eine grässliche
Fratze. Anakin schrie. Er spürte Zorn in sich hochsteigen, wie eine
unaufhaltbare, rote Flut. Mit einem Aufschrei stürzte er sich auf den Mann.
Sein Lichtschwert war rot, und er fühlte sich auf einmal stark. Der Mann wich
rasch zurück, doch Anakin kam nach. Er hatte bisher nur mit
Übungslichtschwertern gekämpft, doch es ging auf einmal alles so leicht. Er schlug
den Mann, der daraufhin zu Boden fiel und verschwand. Anakin starrte erschöpft
und entsetzt auf die Stelle, wo er verschwunden war. Eine Stimme sagte in
seinem Kopf: "Dein Zorn macht dich
mächtig! Mit ihm als Verbündeten kannst du alles erreichen, was du willst."
Anakin fiel in einen schwarzen Abgrund; er sah Padmé und seine Mutter, die ihn
anklagend anstarrten – dann erschien auch Qui-Gons Gesicht, das ihn enttäuscht
und traurig ansah. Anakin hörte einen lauten, gequälten Schrei, bis er
realisierte, dass er es war, der schrie.
Das Licht kehrte zurück.
Anakin fand sich auf einem Bett liegend wieder. Sein Gesicht war tränennass,
und sein ganzer Körper verkrampft. Neben seinem Bett saß Obi-Wan. Als er sah,
dass Anakin die Augen aufschlug, streichelte er ihm über den Rücken. "Was war
es, Padawan?" fragte er besorgt. "Du hast geschrien und geweint, die ganze
Zeit. Ashina und ich haben dich zu Ashinas Mutter gebracht. Yero ist gestorben. Er hatte seine
letzte Energie verbraucht. Ich vermute, für dich." Anakin spürte beruhigende,
ein wenig unbeholfen liebevolle Gedanken, die Obi-Wan ihm sendete. "Yero hat ... mir einen Traum gesendet",
sagte Anakin leise. "Er hat gesagt, er hat Padmé getötet. Ich habe alle
enttäuscht." Obi-Wan schüttelte den Kopf. "Das hast du nicht. Padmé geht es
gut. Yero war ein Sith – er hat das
behauptet, um dich zu verführen, deinem Zorn nachzugeben." Ashina betrat den
Raum mit einem Lappen und einer Schüssel kalten Wassers. Sie hatte Obi-Wans
letzte Worte noch gehört. "Yero war
schon immer hier. Er muss unglaublich alt gewesen sein – schon mein Urgroßvater
kannte ihn." sagte sie leise. Obi-Wan nickte. "Sith können sich mit ihrer
Energie unglaublich lange am Leben halten. Ich muss das dem Tempel berichten."
8
Es war später Abend.
Obi-Wan war noch einmal nach draußen gegangen, um sich ein bisschen Ruhe zu
gönnen. Doch er fand keine. Das Gespräch mit dem Jedi-Rat war darauf
hinausgelaufen, dass Obi-Wan mit Anakin vorzeitig nach Coruscant zurückkehren
sollte, um Anakin sozusagen einem Extra-Training zu unterziehen, damit der
Junge besser lernte, seinem Zorn zu widerstehen. Obi-Wan hatte die Order
bekommen, sich intensiv um ihn zu kümmern. Der Rat war noch immer leicht
misstrauisch Anakin gegenüber. Obi-Wan seufzte. Er spürte, dass sich Ashina näherte.
Er drehte sich um und sah ihr ins Gesicht. Sie musste nicht sehr zu ihm
aufsehen. Ihre Augen begegneten sich und er spürte ganz deutlich die Verbindung
zwischen ihnen. Das Gefühl machte sich wieder in ihm breit.
Er wusste nicht wie, aber
Ashina lag plötzlich in seinem Armen und er hielt sie ganz fest. Nur festhalten.
Nie wieder loslassen.
Die Sonne
versinkt
und der Tag
wird still,
und der Lärm
kommt allmählich zur Ruh‘.
Was aufgewühlt war,
wird ruhig und klar:
Alles was ich brauche, bist du.
Ashina versuchte, Obi-Wan Trost zu geben. Sie spürte, dass er besorgt war, und wusste, sie würde sich bald wieder von ihm trennen müssen. "Ich habe noch einmal nach Anakin gesehen", sagte sie leise. "Er schläft. Es geht ihm gut ..." "Anakin und ich werden abreisen, sobald unser Schiff kommt", unterbrach Obi-Wan sie. Er sah traurig aus. Ashina spürte in sich und Obi-Wan gleichzeitig dasselbe Gefühl aufsteigen. Verzweiflung? Nein. Nicht wirklich.
Wie kann es sein? Fragte Obi-Wan sich. Wie kann
ich das tun?Ich kenne sie ... einen Tag. EINEN TAG! Ich habe Verpflichtungen. Anakin ... Ich werde diesen Planeten bald wieder verlassen. Wie kann ich mir und ihr das Herz brechen?? Qui-Gon, was hättest du getan? Was passiert hier? Obi-Wan seufzte und blickte zu den Sternen hoch. Qui-Gon ... Plötzlich war ihm, als hörte er Qui-Gon in seinem Kopf, der die Zweifel wegwischte. Obi-Wan lächelte. Meister, Ihr seid unverbesserlich. Und bevor Ashina sich wundern konnte, küsste er sie. Es schien Ashina schier zerreißen zu wollen, und sie spürte, dass Obi-Wan genauso fühlte. Sie küsste zurück, leidenschaftlich ...
Obi-Wan umarmte sie fester. Als sie ihre Augen wieder öffnete und zu ihm aufsah, erschienen ihr seinen Augen wie Sterne. Sie wusste genau, wenn sie sich jetzt vom Boden abstoßen würde, würde sie fliegen. Und doch lag ein Schatten über ihrem Denken, und sie sah dasselbe auch in Obi-Wans Augen.
Wann wird euer Schiff ankommen? Fragte sie per Gedankenverbindung.
Morgen oder übermorgen, erwiderte Obi-Wan.
Was niemals
sein darf,
kann und wird
nicht sein;
leicht verständlich und so unendlich schwer.
Vernunft ist verschleppt.
Es gäb‘ ein Konzept,
wenn heut‘ noch alles so wie vorgestern wär‘.
Wie kann es sein, dass Zufriedenheit verblasst,
und plötzlich irgendwie gar nichts mehr passt?
Wer hat die Welt auf den Kopf gestellt?
Nicht geahnt,
und nichts geplant.
Überrannt und die Gefahr nicht erkannt.
Obi-Wan löste sich etwas aus ihrer Umarmung. "Warum kommst du nicht mit nach Coruscant?" fragte er. "Du besitzt eine recht starke Verbindung zur Macht! Du könntest dich ausbilden lassen ... zwar nicht mehr zum Ritter, aber du könntest lernen, deine Gabe sinnvoll zu nutzen ..." Ashinas Augen verengten sich. "Ich kann meine Leute hier nicht im Stich lassen. Das hier ist meine Heimat ... und ich kann ihnen helfen. Es geht nicht ..." "Aber mit deinen Jedi-Gaben könntest du deinem Volk noch besser helfen. Und wir könnten noch ein wenig länger zusammen sein." Er küsste sie auf die Stirn. Gequält sah sie zu ihm auf. "Ich kann das nicht ... ich weiß, es wird mir keinen Nutzen bringen, mit zum Tempel zu kommen. Richtig zum Jedi ausgebildet werden, kann ich nicht mehr; außerdem wäre ich meinem Volk dann nur noch ein Idol und keine echte Hilfe mehr. Hier kann ich wirklich was bewegen. Außerdem ... du bist ein Jedi. Du hast deine Verpflichtungen ... denk an Anakin. Ich denke, Jedi dürfen sich nicht verlieben?" Obi-Wan verzog das Gesicht, dann grinste er. "Na ja ... die Wahrheit ist: Niemand kann es uns wirklich verbieten, oder?" Ashina musste gegen ihren Willen lachen. "Und ich wohl schon überhaupt nicht, oder wie sehe ich das?" Obi-Wan schüttelte heftig den Kopf und grinste. Dann küsste er sie.
***
Als sie sich trennten, war es fast Morgen. Eine Nacht voller Liebe ... Ashina hatte beschlossen, nicht mitzukommen. Sie wollte sich ihrer Verantwortung nicht entziehen. Sie wusste, wäre sie mit Obi-Wan gekommen, hätte sie sich für immer schuldig gefühlt.
Obi-Wan hatte es akzeptiert, wenn auch schweren Herzens. Das war nicht das
erste Mal, dass er so etwas erlebte. Die Zweifel hatten überwogen. Ihre Zwei-Tage-Bekannschaft und Liebe hätte
wachsen müssen. Vielleicht war es das beste, jetzt abzubrechen.
Das Schiff, dass sie nach Coruscant zurückbringen sollte, kam früh, früher als erwartet. Der Pilot brachte Nachrichten mit: Der Konvoi war überfallen worden, doch die begleitenden Jedi und ein Geschwader der Republik hatten die Piraten in die Flucht schlagen und teilweise vernichten können. Die Anwesenheit der Jedi auf
Terelle war nicht weiter vonnöten. Anakin war noch immer in gedrückter Stimmung, doch einige Meditationssitzungen unter Anleitung seines Meisters hatten sein Vertrauen zur Macht weiter gestärkt. Er war auf dem richtigen Weg. Blieb nur noch eine Sache: Ashina. Obi-Wan war äußerst unglücklich.
Vom Cockpit des kleinen Schiffes aus, dass sie nach Coruscant bringen sollte, sah er auf Terelle hinab. Ashina! Flüsterten seine Gedanken. Er hatte sie seit jener Nacht nicht wieder gesehen. Unten stand Ashina und sah einen kleinen glitzernden Punkt am Himmel verschwinden: Das Botschafterschiff. Sie senkte den Kopf. Sie würde ihn wohl nie wiedersehen. Doch wo Liebe ist, ist Hoffnung. Und wo Hoffnung ist, ist die Macht.
Wie kann es
sein, dass das Glück sich verkehrt
Und offenbar jede Lösung verwehrt?
Lass uns die Szene noch einmal dreh’n!
Mit viel Mut
Alles wird gut.
Schlaf‘ jetzt ein, ich würde gern bei dir sein.
Ende
Fortsetzung: Bestimmungen