Gedanken zum #aufschrei

Ich möchte hier nicht wiederholen, was sich die letzten Tage auf Twitter, in Blogs, und schließlich auch in den Fernsehnachrichten abgespielt hat. Wer das noch nicht mitbekommen hat, möge sich hier, hier, oder hier schlau machen. :)

Ich möchte nur meine Euphorie zum Ausdruck bringen. Die letzten Tage haben mich emotional sehr mitgenommen, teilweise in Wut, Schock, unguten Erinnerungen. Aber auch in Euphorie. Euphorie darüber, dass der Stern-Artikel über Brüderle diesen Aufschrei ausgelöst hat (übrigens nicht, wie fälschlicherweise oft berichtet, wegen der Sache an sich, sondern wegen dem sprachlos machenden Backlash der sofort aus Politiker- und Medienreihen zu hören war. A là: “Jetzt spreche ich nicht mehr mit Journalistinnen”, “sie war doch selber schuld”, “das war ausschließlich politisches Kalkül” etc. – btw: Kalkül ist es vom Stern sicherlich gewesen – was aber nichts an der Sache ändert. Diese widerlichen Ablenkungsstrategien und chauvinistischen Äußerungen von Politikerseite sind wirklich das, was einem am meisten den Hut hochgehen lässt).

Euphorie darüber, dass der #aufschrei nicht wie erst befürchtet, nach einem Tag verhallt war, sondern jetzt so dauerhafte Ergebnisse hervorgebracht hat wie alltagssexismus.de, und wie ich fest glaube, ein Erwachen mindestens der politisch interessierten Frauen am Thema.

Euphorie darüber, dass Teile meines männlichen Freundeskreises die Diskussion sehr ernst nehmen.

Euphorie darüber, dass wir Frauen unserer Generation Alice Schwarzer nicht mehr brauchen. Sie aber trotzdem als Verbündete sehr kluge Sachen sagen kann (verwiesen sei auf die Günther Jauch-Talkshow).

Euphorie darüber, dass sogar Silvana Koch-Mehrin mir auf einmal sympathisch werden kann.

Euphorie darüber, dass ich zum allerersten Mal wirklich das Gefühl habe, dass meine Generation etwas verändert. Dass endlich etwas passiert, das dauerhafte Auswirkungen haben könnte. Leider bin ich, wie man an diesem Blog hier sehen kann, wirklich keine große Bloggerin. Aber ich verfolge die Diskussion mit Herzblut, trage dazu bei wenn ich kann, und versuche das Thema weiterzutragen, zu erklären und zu verteidigen, wo es geht oder notwendig ist.

Ich glaube fest, unsere Gesellschaft muss nicht so bleiben, wie sie ist. Dinge können sich ändern. Jeder Wibke Bruhns möchte man ins Gesicht schreien: Nichts ist in Stein gemeißelt. Was allein hat sich alles seit den 1950ern verändert? Man muss nur die Augen aufmachen. Ich bin sicher: Das kann was werden!

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